DSGVO / Blog

Phishing: Aktuell wie die Tagesschau

Arnold Redhammer | | 3 Min. Lesezeit

Phishing: Aktuell wie die Tagesschau

Phishing-Mails sind wie Sicherheitslücken in veralteter Software: Sie tauchen regelmäßig auf, sind eigentlich bekannt – und trotzdem klicken immer noch Leute drauf. Wer denkt, Spam sei zufällig verteilt, unterschätzt die Effizienz moderner Cybercrime-Abteilungen. Die arbeiten mit Kalender, Trendradar und erstaunlich viel Marketingverständnis.

Weihnachten = Paketzeit = Phishing-Zeit

Alle Jahre wieder: Es ist November, die ersten Lebkuchen im Supermarkt sind halb leergefuttert, und plötzlich kommt eine E-Mail:

"Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden. Jetzt hier klicken!"

Klar. Wer bestellt heutzutage nicht irgendwas online? Genau darauf bauen die Fake-DHLs und Pseudo-Hermes dieser Welt. Die Mail sieht täuschend echt aus, das Tracking wirkt plausibel – und zack, landet man auf einer Seite, die aussieht wie DHL, aber in Wahrheit nur eins will: Zugangsdaten, Zahlungsinfos oder gleich die ganze Identität.


Sommerzeit = Reisezeit = Stornoalarm

Kaum wird's wärmer, zieht es die Menschen in den Urlaub – und die Cyberkriminellen gleich mit. Reisephishing ist wie eine günstige Pauschalreise für Betrügerinnen und Betrüger:

  • Angebliche Buchungsbestätigungen von "Booking.com"
  • Fake-Stornos von "Lufthansa" mit Rückerstattung
  • Oder "TUI" braucht dringend nochmal Ihre Zahlungsdaten (natürlich nur zu Ihrer Sicherheit)

Der Klassiker: Panik erzeugen, dass eine Reise nicht stattfindet – und dann mit einem Link die Falle zuschnappen lassen.


Steuerzeit = Konto-Phishing-Saison

Frühling oder Jahresende? Heißt für viele: Steuererklärung, Buchhaltung, zu viele Zahlen auf zu wenig Kaffee. Auch für Angreiferinnen und Angreifer ein Fest:

  • "Ihr Elster-Zugang wurde deaktiviert."
  • "Rückerstattung verfügbar – bitte IBAN bestätigen."
  • "PayPal-Sicherheitsteam hat ungewöhnliche Aktivitäten festgestellt."

Stimmt natürlich meistens alles nicht. Aber vor allem in der Hektik klickt man dann doch mal schnell – und schon ist man drin im Theaterstück namens "Identitätsdiebstahl".


Bonus-Feature: Echtzeit-Reaktion auf Nachrichtenlage

Und als wär das alles nicht genug, sind viele Phishing-Kampagnen auch noch topaktuell:

  • Pandemie? Hier kommt die Fake-Mail vom "Gesundheitsamt".
  • Ukrainekrieg? Jetzt spenden Sie bitte an ein dubioses Bitcoin-Wallet.
  • LinkedIn-Datenleck? "Bitte Passwort zurücksetzen – aber über diesen tollen Link."

Man fragt sich fast: Haben die das selbe Redaktionsteam wie die Tagesschau oder das vom ORF?

Was kann man also tun? Außer hoffen?

Ganz einfach – erst denken, dann klicken. Hier die üblichen goldene Regeln für den Alltag im Maildschungel:

  • Misstrauen Sie Mails mit Zeitdruck. Wenn eine Mail "dringend" ist, ist sie meistens Quatsch.
  • Klicken Sie nicht auf Links, die Sie nicht erwartet haben – egal wie seriös das Logo aussieht.
  • Besuchen Sie Anbieter-Websites direkt, statt auf Links in Mails zu vertrauen.
  • Sprechen Sie drüber. Keine Scham, wenn was komisch ist – lieber einmal zu oft gefragt.

Also merken: Phishing ist kein Zufall. Es ist Saisonarbeit mit ausgefuchster Marketingabteilung. Mit ziemlich finsteren Zielen.


Links zum Artikel

Neueste Artikel

Herr Lehrer geht zu weit!

Ein Universitätslehrer wehrt sich gegen die Veröffentlichung seines Namens, …

290 Mio € muss Uber zahlen

Wenn Daten einfach so in die USA wandern, wird’s teuer – auch für …

Die DGSVO im Urlaubsmodus

Die Urlaubszeit naht – und während viele auf gepackten Koffern sitzen, bleiben …

Netzwerk Digitalisierung?

Die Digitalisierung durchzieht alle Lebensbereiche – und damit auch alle …